Frank Strobel

Dirigent

Geboren 1966 in München als Kind zweier im Filmgenre tätiger Eltern kam Frank Strobel schon im Alter von 6 Jahren in Berührung mit CHARLIE CHAPLIN-Filmen. Mit acht Jahren begann er mit dem Klavierspiel und lernte zugleich das Cembalospiel, Querflöte und Schlagzeug. Er besuchte das Musische Gymnasium in München und studierte bei dem australischen Konzertpianisten Michael Leslie. Schon während seiner Schulzeit beschäftigte er sich mit der Rekonstruktion von Originalmusiken der Stummfilmzeit und entwickelte auf diese Weise sehr früh seine Fähigkeit, Bild und Musik miteinander zu kombinieren. So richtete er eine Fassung der Originalmusik von Gottfried Huppertz zu METROPOLIS (R: Fritz Lang, 1926) für zwei Klaviere ein, die er in den folgenden Jahren etliche Male aufführte.

Im Jahr 1984 erfolgte das erste Engagement als Dirigent (u.a. arbeitete er als Leiter des PPP-Musiktheaters München). Neben der Aufführung des klassisch-romantischen Repertoires in Konzert und Oper bildet die Auseinandersetzung mit übergreifenden Genres und Stilarten der Musik, insbesondere mit der Musik des 20. Jahrhunderts und der Filmmusik, einen Schwerpunkt in Frank Strobels Arbeit. Er leitete einige Uraufführungen von Werken der Komponisten Franz Schreker, Alexander Zemlinsky und Siegfried Wagner sowie eine Reihe von Erst- und Uraufführungen jüngerer Werke des Musiktheaters. Eine besondere künstlerische Beziehung verband ihn mit Alfred Schnittke bis zu dessen Tod. So dirigierte Frank Strobel die Uraufführung der Stummfilmmusik von DIE LETZTEN TAGE VON ST. PETERSBURG in der Alten Oper Frankfurt, die vom ZDF live übertragen wurde, des weiteren die russische Erstaufführung des concerto grosso Nr. 5 mit Gidon Kremer als Solisten und dem Russischen Nationalorchester und die Uraufführung der Konzertsuite AGONIA aus der gleichnamigen Filmmusik in Hamburg. Außerdem leitete Frank Strobel die Einspielung der Filmmusik MEISTER UND MARGARITA mit den Moskauer Philharmonikern sowie verschiedener Werke Schnittkes mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin. Im Oktober 1993 gab Strobel sein Moskauer Debüt mit dem Staatlichen Symphonieorchester Russland, bei dem er die 6. Symphonie von Karl Amadeus Hartmann ebenfalls zur russischen Erstaufführung brachte; seither ist Frank Strobel regelmäßiger Gast im Moskauer Konzertleben.

Neben seiner Konzerttätigkeit ist Frank Strobel als Filmdirigent international bekannt geworden. So richtete er sowohl Originalmusiken als auch Neukompositionen diverser Komponisten zu insgesamt fünfunddreißig Stummfilm-Klassikern ein, die unter seiner Leitung in Opern- und Konzerthäusern, Filmtheatern und Open-Air-Veranstaltungen aufgeführt wurden. Über zwanzig Produktionen wurden von den Fernsehanstalten ZDF bzw. ZDF-arte aufgezeichnet oder produziert. Und er spielte mit einer ganzen Reihe von Symphonieorchestern Musik für über fünfzig neue Kino- und Fernsehfilme aus Deutschland, Großbritannien und den USA ein, so zum Beispiel für SOLO FÜR KLARINETTE (D, 1998, Musik: Nikolaus Glowna), MESCHUGGE (D, 1998, Musik: Niki Reiser) und EIN LIED VON LIEBE UND TOD - GLOOMY SUNDAY (D, 1999, Musik: Detlev Petersen). Er dirigierte Aufnahmen für ZDF, HR, SDR, SWF, SWR, SFB, BR und arte, sowie CD-Aufnahmen für diverse Plattenfirmen. Im Jahr 2000 standen die deutschen Filmprojekte DER SCHÖNE UND DAS BIEST (SWR, Komponist: Nikolaus Glowna), KRIEGER UND LIEBHABER (SWR, Komponist: Jörg Lemberg), die ARD-Verfilmungen der Donna Leon Bücher (Komponist: Ulrich Reuter) sowie unter anderem das Stummfilm-Projekt MENSCHEN AM SONNTAG (ZDF-arte/Kirchmedia, Komponistin: Elena Kats-Chernin) an.
Bis Ende 1998 war Frank Strobel Chefdirigent des Deutschen Filmorchesters Babelsberg. Mit diesem Orchester leitete er abgesehen von Filmmusik-Einspielungen und Konzerten die Aufnahmen der beiden CDs „Belcanto“ und „Zeitsprünge“ mit Udo Lindenberg und die anschließende Deutschland-Tournee durch Konzert- und Opernhäuser sowie eine Reihe von Staatsakten mit dem deutschen Bundespräsidenten.

Neben seiner musikalischen Tätigkeit zeichnet Frank Strobel für die Konzeption, Organisation und künstlerische Beratung von „Musik und Stummfilm“-Festivals verantwortlich, war über zehn Jahre für den Bereich „Musik“ im Deutschen Filmmuseum Frankfurt zuständig und ist künstlerischer Berater des Stummfilmprogramms von ZDF-arte. Konzertreisen führten ihn in nahezu alle europäischen Länder sowie in die USA, nach Kanada, Mittel- und Südamerika als auch nach Asien. Er nahm an verschiedenen Festivals teil, u.a. an den Berliner und Wiener Festwochen. Im Jahr 2000 dirigierte er die Neufassung des Balletts KASPAR HAUSER (Musik: Cord Meijering) sowie eine Kurt Weill-Revue am Münchner Prinzregententheater. Frank Strobel lebt heute in Berlin.



Spielfilme
(Auswahl)

TATORT: IM SCHMERZ GEBOREN
R: Florian Schwarz, D 2014

DIE PILGERIN
Musik von Steffen Kaltschmid und Fabian Römer, R: Philipp Kadelbach, D 2014

DIE PÄPSTIN
Musik von Marcel Barsotti, R: Sönke Wortmann, D 2009

12 METER OHNE KOPF
Musik von Christoph Blaser und Steffen Kahles, R: Sven Taddicken, D 2009

BÖSECKENDORF - DIE NACHT, IN DER EIN DORF VERSCHWAND
Musik von Jörg Rausch, R: Oliver Dommenget, D 2009

BUDDENBROOKS
Musik von Hans Peter Ströer, R: Heinrich Breloer, D 2008

EMPIRE OF SILVER
Musik von Cong Su, R: Christina Yao, D 2008

DER BLAUE AFFE
Musik von Philipp E. Kümpel & Andreas Moisa, R: Carsten Unger, D 2006

DIE LETZTEN TAGE
Musik von Philipp E. Kümpel & Andreas Moisa, R: Oliver Frohnauer, D 2005

MORD AM MEER
Musik von Nikolaus Glowna & Siggi Mueller, R: Matti Geschonneck, D 2004

BLUEPRINT
Musik von Detlev Petersen, R: Rolf Schübel, D/Kanada 2003

MEHR ALS NUR SEX
Musik von Jörg Lemberg, R: Claudia Garde, D 2002

PEST - DIE RÜCKKEHR
Zweiteiler, Musik von Ulrich Reuter, R: Niki Stein, D 2001

PAULAS SCHULD
Musik von Jörg Lemberg, R. Claudia Garde, D 2001

NACHTS IM PARK
Musik von Oli Biehler, R: Uwe Janson, D 2001

SPÄTE RACHE
Musik von Ulrich Reuter, R: Matti Geschonneck, D 2001

DEUTSCHLANDSPIEL
Musik von Nikolaus Glowna, R: Hans-Christoph Blumenberg, D 2000

GOEBBELS UND GEDULDIG
Musik von Ralf Wienrich, R: Kai Wessel, D 2000

DONNA LEON - VENEZIANISCHE SCHARADE
DONNA LEON - VENDETTA
Musik von Ulrich Reuter, R: Christian von Castelberg, D 2000

KRIEGER UND LIEBHABER
Musik von Jörg Lemberg, R: Udo Wachtveitl, D 2000

LIEBE UND ANDERE LÜGEN
Musik von Nikolaus Glowna, R: Konrad Sabrautzky, D 2000

DER TUNNEL
Musik von Bernd Schultheis, R: Marcus Vetter, D 1999

EIN LIED VON LIEBE UND TOD - GLOOMY SUNDAY
Musik von Detlev Petersen, R: Rolf Schübel, D 1999

BELLA BLOCK: DUNKLER WALD
Musik von Hans Christiann Wagner, R: Markus Imboden, D 1998

DIE MÖRDERIN
Musik von Andy Müller, R: Christian von Castelberg, D 1998

DER LADEN
Musik von Thomas Osterhoff, R: Jo Baier, D 1998

MESCHUGGE
Musik von Niki Reiser, R. Dani Levy, USA/D 1998

SOLO FÜR KLARINETTE
Musik von Nikolaus Glowna, R: Nico Hofmann, D 1998

NÄCHTE MIT JOAN
Musik von Hans Peter Ströer, R: Horst Königstein, D 1997

ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG
Musik von Nikolaus Glowna, R: Nico Hofmann, D 1996

LAUTLOSE SCHRITTE
Musik von Andy Müller, R: Christian von Castelberg, D 1996

ZWEI VOM GLEICHEN SCHLAG
Musik von Nikolaus Glowna, R: Konrad Sabrautzky, D 1996

TÖDLICHE WENDE
Musik von Nikolaus Glowna, R: Nico Hofmann, D 1996

DEUTSCHLANDLIED
Musik von Nikolaus Glowna, Mehrteiler, R: Tom Toelle, D 1995

DER GROSSE ABGANG
Musik von Nikolaus Glowna, R: Nico Hofmann, D 1995

DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS
Musik von Rob Lane und Frank Strobel, R: Benjamin Ross, UK/ F/ D 1994

MEISTER UND MARGARITA
Musik von Alfred und Andrei Schnittke, R: Yuri Kara, Russland 1993


Homepage: www.frankstrobel.de


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